Neues Migrationsgesetz: Wir werden uns öffnen müssen

Veröffentlicht: 02.12.2022 von Georg Hensch


Wovor hat die CDU Angst? Man kann die Frage jeden Tag neu stellen, wenn man die Zeitung liest. Nunmehr die Migrationspolitik, bei der Flüchtlinge und Wirtschaftsmigranten mal locker in einen Topf geworfen werden.

Fakt ist doch: Wir haben Stand November 2022 ca. 2,4 Millionen Arbeitslose. Das werden auch morgen die sein, welche, wie es Lothar Späth einmal sagte „nicht an den Arbeitsmarkt zu adaptieren sind“. Entweder wegen der Qualifikation, oder wegen des Lebensmittelpunktes, oder- weil einige sicherlich auch nicht wollen. Gleichzeitig haben wir Fachkräftemangel. Ergo, brauchen wir Zuwanderung. Was übrigens im Bereich der Ausländer, die in Deutschland studiert haben, schon funktioniert! Allerdings vornehmlich auf Englisch! Hier liegt meiner Meinung nach das größte Problem: Es wird uns sehr einfach gemacht, auf einer sprachlichen Insel zu leben. Jede Fernsehsendung, jeder Film ist synchronisiert. Der Kontakt des Normalbürgers in Bezug auf Englisch bleibt auf die Schule und später ggf. auf den Urlaub beschränkt.

Das ist in Ordnung. Aber dann muss sich die Politik auch klar machen, dass das Erlernen der Sprache elementarer Teil einer Integration sein muss, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. Nicht aber in Ordnung ist, wenn eine unionsgeführte Politik Menschen über Jahre in einem ungesicherten Status lässt, in dem sie zum Teil gar nicht arbeiten dürfen, um jetzt gegen die Klärung dieses Sachverhaltes zu wettern. Wenn Herr Merz also über die Einwanderung in die Sozialsysteme lamentiert, dann hat seine Partei das doch die letzten Jahre mittels des ungesicherten Status billigend getrieben. Keine Frage: Wer sich unrechtsmäßig hier aufhält, oder straffällig wird, der soll auch abgeschoben werden. Aber für alle anderen gilt es, schnell und sauber zu prüfen, wie wir sie in unsere Gesellschaft integriert bekommen.

Übrigens: Wir hätten 2015 jeden Flüchtling nicht nur fragen sollen, woher er kommt, sondern auch, was er kann. Dann wären wir schon weiter, auch in Bezug auf den ungesicherten Status. Nur sollten wir uns von dem Gedanken frei machen, dass Migranten ihre Kultur an der Grenze zu Deutschland abgeben und unsere annehmen. Wir werden uns kulturell öffnen müssen! In dem Sinne, dass wir uns zumindest für die Kulturen von Migranten interessieren, um „fremdes“ Verhalten zu verstehen und im Sinne einer Integration darauf einwirken zu können. Das allerdings ist keine Kernkompetenz der Deutschen. Leider.



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