Wenn sich die Baustelle der Vorstellungskraft entzieht

Veröffentlicht: 01.12.2022 von Georg Hensch


Ich kann mir in Bezug auf Häuser viel vorstellen. Also faktisch. Von daher beunruhigt mich auch nicht, dass die Baustelle immer wüster aussieht. Weil ich weiß, was da später hinkommt. Meiner Frau fällt das deutlich schwerer. Die steht inmitten der Bauwüste und findet das mit jeder weiteren „Zerstörung“ schwieriger. Ich kann das zwar verstehen, aber nicht vorstellen. Weil ich nicht die Zerstörung, oder den Abriss, sondern die notwendige Arbeit, die es zu leisten gilt auf dem Weg zu dem, was ich mir vorstelle. Insoweit ist der Abriss der zwingende Teil der Erneuerung. Das hat schon fast etwas philosophisches. Also bis auf den Staub. Und zumindest ich freue mich gleichzeitig, den Mangel entdeckt zu haben, der im Verborgenen lag. Warum? Weil es mir die Chance gibt, es jetzt richtig zu machen. Denn an der Tatsache, dass da eine feuchte Wand ist, ist nichts mehr zu ändern. Wenn ich die aber nicht entdeckt hätte, dann bliebe die feucht. Und das wäre echt schlecht. Vielleicht ist es aber auch die schiere Weigerung, sich demotivieren zu lassen. Wer weiß es schon.

 



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