Brot und Spiele

Veröffentlicht: 24.11.2022 von Georg Hensch


Gerade komme ich aus Rom, habe im Kolosseum gestanden und mir bei den Erläuterungen zu Gesellschaft und „Spielen“ gedacht: „Wie bei uns in Deutschland. Nur heute!“ Die Gesellschaft wurde in den letzten 16 Jahren unter CDU-Führung mit einlullender günstiger Energie versorgt, Bayern hat schön darauf geachtet, mittels seines Atomstroms die Windräder und die Überlandleitungen aus dem Norden zu verhindern und ansonsten hat man es sich schön bequem gemacht. Herr Altmaier (vorheriger Wirtschaftsminister) hat die Bäcker Berlins nach eigener Aussage bei Maischberger mit dem Kauf von Teilchen unterstützt und ansonsten auf die Energieversorger gehört. Wir haben 120.000 Arbeitsplätze in der Solarindustrie plattgemacht und auf Gerhard Schröder als Vorsitzenden der Russischen Gasgesellschaft vertraut. Nordstream 2 ist der beste Beweis, dass uns Abhängigkeit von Russland nicht interessierte, sondern vielmehr, wie man noch mehr fossile Energie zu Spottpreisen bekommt. In dieser Phase hat der damalige Wirtschaftsminister incl. Kanzlerin offensichtlich nicht mitbekommen, dass die Gasspeicher leergefahren wurden. Wie denn auch, haben wir sogar die Gasspeicher an Gazprom vertickt. Brot und Spiele! Und nun, nachdem ein Mensch – und das ist Putin, nicht Habeck verrückt wird, wird über demjenigen, der letztes Jahr noch nicht wusste, was auf ihn zukommt und der jetzt vor den Folgen einer 16-jährigen Energie-Abhängigkeitspolitik und ohne wirkliche alternative Energien dasteht, kollektiv vom bräsigen Volk der Daumen gesenkt, weil es nicht so schön bräsig bleibt. Obwohl man das kommen sah! Das hat überhaupt nichts mit grüner Versifftheit, oder Ideologie zu tun, sondern vielmehr damit, dass eine Journalistin, in dem Falle Maischberger Herrn Habeck die Aussage abringen wollte, dass der Mittelstand reihenweise pleite geht. Auf dass man auch darüber den Daumen hätte senken können. Und Herr Habeck hat übrigens betriebswirtschaftlich völlig korrekt geantwortet! Insolvenz ist nicht Konkurs! Doch wen interessiert das? All den Schreihälsen, die rumlamentieren, Herr Habeck wüsste noch nicht mal, was eine Insolvenz ist, sei gesagt: Ihr wisst es auch nicht! Aber immer schön den Hafen auf und den Daumen nach unten. Als wenn man Minister wie Gladiatoren verschleißen könnte. Tot! – Los, der nächste in die Arena! Ich habe noch letzte Woche auf den Ruinen einer solchen Gesellschaft gestanden, die immer dekadenter wurde und nichts ändern wollte. Wie hieß es so treffend in der Erläuterung: „Die Bürger Roms kümmerten sich um nichts mehr!“ Rom ist als Hauptstadt des römischen Reiches untergegangen. Offensichtlich haben wir nichts daraus gelernt.



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