Ab jetzt mit Turbo
Veröffentlicht: 28.03.2023 von Georg Hensch
So – innen ist nun nichts mehr ohne eine statische Expertise abzureißen. Allerdings braucht es noch ein Weilchen, bis ich einen Statiker mit der Begutachtung betrauen kann. Leider waren auf Besitzerseite nur drei Baupläne verfügbar und die Gemeinde hat auch nur eine abgespeckte Bauakte ohne Statik. Also muss jetzt der Kreis ran. Mal sehen, wie lange das dauert. In der Zwischenzeit kann ich mich schon mal mit dem Rückbau von Terrasse und Loggiaboden beschäftigen und auch sonst schon einmal das Freilegen des Hauses auf der Bergseite vorbereiten, indem ich alles, was nach Beton aussieht ausbaue.
Dazu allerdings muss eine Auffahrt geschaffen werden, der sich eine fette Betonwand entgegenstellte. Und als ich da stundenlang mit dem Abbruchhammer dran rumtrillerte war er wieder da, der Moment, als ich anfing, den Nachbarn leid zu tun. „Was hast Du eigentlich verbrochen, dass Du so Buße tun musst?“ fragte mich meine Nachbarin. Ich kenne das bereits – es sind die leisen Hinweise, dass man den Leuten mit dem Bohrhammer, welcher nunmehr seit Monaten dröhnt, leicht auf den Zwirn geht. Andere Sprüche waren von verschiedenen Nachbarn: „Zwei Wochen war der Georg krank, jetzt bohrt er wieder Gott sei Dank!“, oder „Bist Du bald in Neuseeland angekommen?“
Nun ja – die Auffahrt ließ sich gut mit den Trümmern der hinteren Klinkerfassade und zwei Tonnen Frostschutz herstellen. Für den weiteren Schutttransport lieh ich mir dann allerdings einen sogenannten Dumper aus. Man denkt, dass ginge dann alles leichter. Ja – der Transport. Allerdings bekommt man in die Kiste auch das Dreifache einer Schubkarre. Und – reinschaufeln muss man es trotzdem. Wenn man dann an einem Samstag mal sechs Tonnen Bauschutt losgetrillert und in die Kiste reingeschaufelt hat, dann braucht es über Tag einige Flaschen Bier und abends IBU als Schmerzmittel. Das Ding führt einen an die Grenzen!
Schön zumindest die Tatsache, dass man beim Rückbau immer mal wieder in ein leicht irres – weil verzweifeltes Lachen verfällt und sich mit dem seit langem verstorbenen Bauherrn unterhält.
Beim Rückbau der Terrasse dann das im Haus bereits geübte Spiel:
Lage 1 – Terassenplatten
Lage 2 – Splitbett
Lage 3 – Estrich
Lage 4 – Estrich
Lage 5 – Rüttelklinkerfliesen
Lage 6 – 20 cm armierter Beton
Lage 7 – Betonplatten
Lage 8 – ist noch nicht klar, ob das schon Erdreich sein soll
Es ist ein bisschen wie Archäologie und das Ausgraben verschiedener Zivilisationsebenen. Nur mit dem Bohrhammer. Und so laufen die Tage nach immer gleichem Muster ab. Abends zwei Tonnen Schutt loshämmern und verladen – nachts mit tauben Händen aufwachen – morgens den Schutt zum Entsorger fahren. Aber – wird schon!
Kategorien:
Teilen