Zahle, was dran steht – nicht mehr und nicht weniger!
Veröffentlicht: 30.01.2017 von Georg Hensch
Zahle, was dran steht – nicht mehr und nicht weniger!
Mich beschäftigen gerade zwei Erfahrungen, die mit Preisbildung zu tun haben: Nach meiner Anreise hier in Neuseeland übernachtete ich – gebucht bei Airbnb – bei einer älteren Dame, welche mir auch angeboten hatte, mich für 20 Dollar vom Flughafen abzuholen. Gesagt, getan. Ich rief an und schon nach ein paar Minuten stand sie mit dem Wagen da. Am nächsten Morgen fragte sie mich, was ich denn bei Airbnb gezahlt hätte. Als ich ihr den Betrag von 80 Dollar nannte, wollte sie kein Geld für den Shuttleservice. Sie sagte: Wenn du 50 Dollar bezahlt hättest, dann wären auch die 20 Dollar Shuttle in Ordnung gewesen. So nicht.
Sie war nicht davon zu bewegen, das Geld zu nehmen. Vielmehr klagte sie darüber, dass Airbnb je nach Auslastung variable Preise nähme und Kunden – leider vornehmlich aus Europa – eine Leistung wie im Hotel erwarteten, obwohl sie nur die Hälfte eines Hotels bezahlten.
Vor einigen Tagen war ich auf einem Campground, den ich erst nach 30 Kilometern zwar traumhafter, aber eben buckliger Piste erreicht habe. Völlig euphorisch von dem Ausblick während der Fahrt und happy, auf dem kleinen Campground direkt am Meer einen Stellplatz bekommen zu haben, zahlte ich die Gebühr und wollte kein Wechselgeld zurück (es wäre auch nur ein Dollar gewesen) Kein Weg! Mit den Worten: „Ich muss meine Kasse ausgeglichen haben“, gab man mir den Dollar. Man könnte die Neuseeländer nun für weltfremd halten. Aber da steckt mehr dahinter. Hier sind weder die Lebenshaltungskosten, noch die Preise günstig – auch für Neuseeländer. Aber wenn was dran steht, dann ist das zu bezahlen. Und jeder bezahlt das bei diesem Anbieter! Du willst einen Preis für eine Leistung nicht bezahlen? Ok – geh und kaufe sie woanders – vielleicht günstiger – aber nicht bei mir.
Und wenn man günstiger kauft, dann ist die Qualität auch nicht so gut. Und das ist auch in Ordnung. Wenn du auf einem Campground übernachtest, der eigentlich ein Rugbyplatz ist, bei dem die Umkleiden und Duschen für die Camper genutzt werden, dann kostet das halt weniger, als ein Campground mit allen Schikanen. Ich habe mal vor ein paar Jahren schon einen Satz gebildet der heißt: „Schnäppchen machen Schnäppchenjäger – und nicht andersherum!“ Und Preiswertigkeit fängt da an, wo mir selber mein Preis die Summe wert ist. Darüber hinaus sind die Verpflichtung und auch der Wille des Leistenden, für den ungeminderten Preis auch die ungeminderte Leistung zu bringen, doch viel höher, sofern da noch ein Funke von Moral ist. Und es bringt uns langfristig weiter!
Denn wohin führt uns die Mentalität, welche in unseren „Industrieländern“ herrscht. Der ständige Versuch, für das gleiche Geld mehr zu bekommen führt doch auf Anbieterseite final dazu, irgendwo die Leistung – und zwar für den Käufer nicht sichtbar – einzusparen. Das Ganze nennen dann unsere ach so klugen Betriebswirtschaftler „Kostenführerschaft“ oder „Gewinnmaximierung“. Aber ganz am Ende führt es – wie im Fall Volkswagen – schlicht zu Betrug! Und vielmehr noch: Dann sind der Betrug und die sich daran anschließenden Strafen oder Wiedergutmachungen in Amerika größer als in Deutschland, weil es dort andere Schadenersatzgesetzte gibt.
Welches Vertrauen soll da anschließend in Deutschland mit ganzseitigen Absichtserklärungen wieder erzeugt werden? Ist Moral, ja auch Geschäftsmoral am Ende eine Rechenaufgabe?
Ist das wirklich ein Trend, der nicht aufzuhalten ist. Ist das wirklich unser Wille? Oder müssen nicht die Unternehmer – gerade der Mittelstand, der sich primär über die Qualität definiert – auch für ihre Preise stehen!? Einen Anfang zu machen, ist es alle Male wert!
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