Die Reise zum Mittelpunkt des Fundaments

Veröffentlicht: 22.04.2023 von Georg Hensch


Die Bodenplatte der Terrasse ist weg, das Wetter soll „na ja“ werden. Damit sind die Bedingungen gut, um sich an das ausgraben des Hauses zu machen. Die Baugrube wird 2,80 Meter tief. Das ist der Preis für schön große Deckenhöhen im Keller. Doch den bezahle ich aber gerne. Was allerdings immens stört, sind die Lichtschächte für die Kellerräume. Wie sich zeigt gab es offensichtlich 1971 noch nicht diese schönen einfachen Fieberglasschächte, sondern man machte die Dinger aus einer 20! cm hohen Betonplatte und einer Kalksandsteinumrandung für die Ewigkeit – die leider 2023 schon endet.

Und dann noch eine Premiere: Ich hab ja schon nahezu alles gefahren – außer Bagger. Was das Problem erhöht ist die Tatsache, dass ich zu einer Generation gehöre, die es nicht von Kindesbeinen gelernt hat, ihre Auge-Hand-Koordination mittels „Controller“ zu üben. Doch zunächst einmal der Stresstest: Hält meine selbstgebaute Rampe aus Klinker und Frostschutz, welche ich durch einen Bohlenwall zur Nachbarin hin abgefangen habe. 2,5 Tonnen Bagger sind kein Pappenstiel. Und – er hält genauso, wie mein Nervenkostüm. Also kann es losgehen.

Tag 1 – Neue Erfahrung

10 Stunden sind geschafft und nun heißt es, meinen Nachbarn etwas Ruhe zu gönnen, sowie den Bagger mal zu tanken. Der schreit schon nach Sprit. Das Baggern geht schon recht gut von der Hand und die Furcht, ins Loch zu fallen sinkt leicht. So um die fünf Meter sind geschafft und ich wundere mich dann doch, wie viel Erde aus dem Loch rauskommt.

Tag 2 – der Mechaniker ist gefragt

Um 7:00 Uhr geht der Bagger an und es geht munter weiter. Da ich nur noch heute den Bagger habe, muss ich mich beeilen. Es ist kalt wie die Sau und wenn man nur so rum sitzt, wird das echt frisch. Aber was nutzt es. Und so baggere ich mir regelrecht das Hirn raus bei der Bedienung. Dann gegen 14:00 Uhr der Schreck. Eine Kette ist vom Führungsrad gesprungen. Prima! Dann ist ja gut, dass ich letztens meinen über und über mit Schlamm übersäten Nachbarn (ein Gartenbauer) mit einer Fettpresse sah, ihn fragte was er machte und er mir antwortete, ihm sei in einem alten Teich (Schlamm) die Kette vom Bagger gesprungen und er müsste die jetzt wieder mit der Fettpresse spannen.

Also Fett-Kettenspanner gesucht,  den Bagger auf Schild und Schaufel in die Luft gehoben und die Kette gelöst. Schön – das war ja einfach. Und schwer. Denn nun hängt eine steife 200 kg-Kette sauber nach unten durch und ich muss versuchen, diese wieder über das Führungsrad zu wuppen. Kein Weg! Und dann fängst man an, im Garten die Kette erst mal zu unterbauen und nähert sich langsam dem Führungsrad. Jetzt noch den alten Mechanikerspruch: „Unendlich ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft“ – und drauf ist sie.

Manchmal ist es ja so, dass sich Dinge als nützlich herausstellen, wenn Du am wenigsten dran denkst. So der Kauf des Traktors letztes Jahr und mit ihm die Anschaffung einer Fettpresse. Mittels derer konnte dann die Kette gespannt werden und weiter ging es. Zumindest nochmal drei Stunden.

Dann war bei mir die Luft raus. Wenn Du anfängst darüber nachdenken zu müssen, wie Du die Joysticks bewegen musst, dann baggerst Du Dir nur noch Mist zusammen und dann ist es Zeit, aufzuhören. Das meiste hatte ich auch geschafft. Bagger saubermachen, Silofolie über den Aushub und die Grabenflanken und dann erst mal Feierabend. Es fängt pünktlich an, zu regnen.

 



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