Erst der Anstand – dann der Respekt

Veröffentlicht: 28.01.2020 von Georg Hensch


Erst der Anstand – dann der Respekt

 

 

Vor ein paar Tagen las ich einen kurzen Artikel, in dem ein Anwalt darüber referierte, dass es zur Streitkultur dazugehört, auch mal vor Gericht zu ziehen. Im Grunde ist das ja nichts anderes, als dass man differente Rechtsauffassungen durch einen Dritten nach den Spielregeln des Gesetzes entscheiden lässt. Aber – und das fand ich überaus interessant: Er vermisse den Anstand dabei. Den Anstand – nicht den Respekt! Der wird in unserer Zeit ja immer wieder eingefordert. Man solle sich mit Respekt begegnen. Ich glaube, dass hierin viele Nachteile liegen.

Denn – es wird sich nun respektvoll belogen, betrogen, geschachert, gemauert, intrigiert, übervorteilt und wie auch immer die ureigenen Interessen – vielfach zum Nachteil des Anderen verfolgt. Aber Anstand, oder die Basis des Anstandes – die Moral fehlt. Wenn mir schon einer kommt und betont dreimal, dass er „sehr offen, aber respektvoll“ sagt, was Sache ist, dann weiß ich schon, dass ich gleich belogen werde. Sich mal anständig die Meinung zu sagen, ist unmodern geworden. Dabei wäre das bei dem ein oder anderen hinlänglich geboten. Ich persönlich hatte früher einen Chef, der meinte: „Das muss alles frisch raus“. Dann hat man sich gegenseitig sehr deutlich gesagt, was man (in dem Moment) voneinander hält und am nächsten Tag ist man aufeinander zugegangen, hat sich vertragen und ab da umso mehr gemeinsam und verbrüdert weitergearbeitet. Eine sicherlich robuste Art der Teambildung. Aber effektiv!

Das wirklich bedenkliche nach meiner Auffassung ist, dass sich unter dem Edikt, zu jeder Zeit respektvoll zu sein ein Milieu der sogenannten „Realisten“ ausgebildet hat, die schlicht nichts mehr persönlich nehmen und erwarten, das Gegenüber solle das doch bitte auch tun. Weil – es gehe ja schließlich „nur“ ums Geschäft. Ausbeutung bei der Erstellung des Produkts? Ist halt so! Andere in die Irre führen? Ist halt so. Die Politik ist das beste Beispiel dafür, aber in Unternehmen hat das auch sehr gut Schule gemacht.

Mir ist das zu wenig! Wenn man seinen Job nur unter Gesichtspunkten von Sachzwängen und des eigenen „vorwärts kommen“ versteht, dann sind 8-10 Stunden des Tages auf reiner Sachebene für mein Verständnis eine emotional und damit rein menschlich wertlose Zeit. „Ist halt so“ ist nichts, was mich begeistert. Ich will mich einbringen, will etwas verändern, will emotional begeistert, oder auch mal betroffen sein. Ich habe schlicht keine Lust, mich als Ball zwischen „Realismus“ und „Sachzwängen“ hin und her kicken zu lassen. Ich bedauere die, denen das reicht. Beruf macht große Zeitanteile des Lebens aus. Da bin ich lieber Spieler denn Ball. Was ist denn mit „Begeisterung“ gemeint, wenn man die Emotion strikt von den Sachthemen trennen muss? Oder lügen sich die ganzen Führungskräfte, die den gemeinsamen Spirit beschwören nur selber in die Tasche? Ich glaube ja! Ich persönlich brauche allerdings auch kein abendliches „Work-out“, weil ich den ganzen Tag die emotionalen Bremsen heißlaufen habe. Sich nach einem harten Arbeitstag im Gym „auszupowern“ zu müssen, ist ja eigentlich ein Witz!

In unserer Firma steht der Anstand im Vordergrund. Weil er es ist, der den Respekt auf ein vernünftiges Maß stutzt. Wir bringen uns ein. Und wir regen uns auf, wenn es „unanständig“ wird. Sei es intern oder extern. Wir teilen das unseren Kunden auch mit, wenn wir etwas nicht in Ordnung finden. Und lassen uns das anders herum auch sagen. Das schafft die Klarheit, welche wir brauchen, damit alle was davon haben. Wer das als Kunde nicht möchte, der ist bei uns einfach falsch.“Ist halt so“ ist für uns keine Option und sollte es auch für unsere Kunden nicht sein.

Wir sind der festen Überzeugung, dass es noch genug  Mittelständler gibt, denen Anstand wichtig ist. Früher wurde sowas mit Kaufmannsehre beschrieben, welche meinen Mitarbeitern und mir immer noch extrem wichtig ist. Das mag altmodisch klingen. Aber es schafft die Befriedigung, etwas gemeinsam geschaffen zu haben. Mit den Kunden, mit dem Team.

Das Wort zählt! Verlassen wir uns darauf!



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